Wie alles begann…

Wer die Lupe auf den Zeitstrahl der Stadt Bochum legt, um die Anfänge zu beleuchten, muss die Geschichte weit zurückdrehen. Der eigentliche Stadtwerdungsprozess begann im 14. Jahrhundert. Schon damals hatten die Bochumer eine ganz besondere Mentalität.

Beginnen könnte man die Geschichte unserer Stadt auch vor rund 25.000 Jahren: Das älteste auf dem heutigen Stadtgebiet gefundene Werkzeug stammt aus eben dieser Zeit. Ein Schneidegerät aus Quarzit, welches in Querenburg von Archäologen entdeckt wurde. Auch aus nahezu jeder darauf folgenden Epoche lassen sich archäologische Funde belegen. Menschen siedelten also bereits seit einer sehr langen Zeit auf unserem heutigen Stadtgebiet. Doch ab wann war Bochum eine richtige Stadt? Keine einfache Frage, denn auch die Geschichtsforschung ist aufgrund mangelnder Quellen uneins.

Fest steht, wenn man den Stadtwerdungsprozess Bochums betrachten will, so muss der Blick auf das 14. Jahrhundert gerichtet werden, und zwar genauer auf das Jahr 1321. Vor exakt 700 Jahren hatte die Stadt mit dem heutigen Bochum noch nicht viel gemeinsam. Siedlungskern war das Gelände um die heutige Propsteikirche St. Peter und Paul. Die sozial sehr unterschiedliche Bewohnerschaft bestand zum Großteil aus Bauern und Handwerkern. Doch zu dieser Zeit ergab es sich nachweislich auch das erste Mal, dass die Bürger sich in unserem Stadtgebiet politisch engagierten und damit den Stein ins Rollen brachten.

Belege gibt eine Urkunde aus dem Jahr 1321, die noch heute im Original im Rathaus untergebracht ist. Mit dieser Urkunde aktualisierte und erneuerte Graf Engelbert II. von der Mark das althergebrachte Recht seines Hofes Bochum. Und zwar wahrscheinlich auf Bitten der „Bürger“ Bochums. Neu geregelt wurden dabei die Kontrolle von Maßen und Gewichten, das Erbrecht sowie das Recht des Schultheißen (Gemeindevorstehers) und der Bürger, zusammen Entscheidungen zu treffen. Was unspektakulär klingt, war ein zentraler Schritt, damit die Stadt weiter wachsen konnte.

Urkunde belegt die Anfänge

Das rege Interesse des Grafen Engelbert und der Bürger an dem zu dieser Zeit florierenden Handel und Gewerbe lohnte sich. Bochum wuchs mehr und mehr. Eine ausdrückliche Erhebung zur Stadt sowie einen Nennung eines Stadtrechtes erfolgte in der Urkunde Engelberts zwar nicht, ein wichtiger Startschuss wurde jedoch gelegt. Denn in den folgenden Jahrzehnten häuften sich ähnliche, für den Stadtwerdungsprozess entscheidende Ereignisse.

Neben der Vergrößerung  des Marktes um 1324 und der Wehranlagen im Jahre 1351 fällt auch die Verlegung eines wichtigen Verbindungsweges genau in diese Zeit: So führte der „Hellweg“ in Richtung Essen vor 1351 noch südlich am Siedlungskern vorbei, ab 1351 indes führte er direkt darauf hinzu und mündete in einem der fünf Stadttore, dem Butenberg-Tor. Wenig später, also knapp 60 Jahre nach der Urkunde Engelberts, werden dann die ersten Bürgermeister für Bochum angenommen, wirklich belegt sind sie jedoch erst im Jahre 1407. Auch das früheste Bochumer Siegel, auf dessen Grundlage unser heutiges Stadtwappen beruht, stammt aus eben jener Zeit: Aufbewahrt im Stadtarchiv Bochum hängt es an einer Urkunde aus dem Jahr 1381.

Bochum nimmt Gestalt an

Im frühen 15. Jahrhundert nahm Bochum schließlich immer mehr die Züge der heutigen Stadt an: Von ungefähr 1430 an ist der erste Schulunterricht überliefert, 1438 wurde das erste Hospital und Gasthaus (Am Katthagen) gestiftet und für das Jahr 1461 ist ein Rathaus nachweisbar. Die Aufstellung eines städtischen Willkürrechts um 1481 schließlich, also einer Form der städtischen Selbstverwaltung, gilt als weiterer, markanter Punkt des Stadtwerdungsprozesses. 

Dass Bochum schließlich zu einer starken Gemeinschaft herangewachsen war, das belegen auch die Umstände einer Katastrophe zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Nach einem verheerenden Großfeuer am St. Markus-Tag 1517 lag nahezu das gesamte Stadtgebiet in Schutt und Asche. Die Bevölkerung war deswegen zum Großteil verarmt, mehrere Jahrzehnte des schwierigen Wiederaufbaus folgten. Doch auch wenn der Brand Bochum zumindest materiell fast komplett zerstört hatte, den Geist der Bochumer vermochte das Feuer nicht auszulöschen. Bereits zwei Jahre nach dem Brand sind wieder Beschlüsse der Bochumer Ratsleute nachweisbar. Da kann man die Lupe getrost wieder auf heute legen: Die Stehauf-Mentalität Bochums reicht offensichtlich bis in die Gründerzeit zurück.

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